Förderfonds WissenschaftskommunikationEin Podcast über Kunst und MoralJana Graul über ihr Projekt „Zwischen Pinsel und Pranger“
29. Januar 2026

Foto: Jan Rost, nach einem Entwurf von Agnolo Bronzino, Detail aus: Justizia befreit die Unschuld, 1549, Tapisserie, Florenz, Palazzo Pitti, Museo degli Argenti; Graphik: Darius Wakilzadeh
Im Rahmen eines über zwei Semester angelegten Lehrprojektes am Kunstgeschichtlichen Seminar der UHH haben Masterstudierende unter der Leitung von Dr. Jana Graul einen kunsthistorischen Podcast erarbeitet und produziert – mit dem Ziel, wissenschaftlichen Anspruch und das beliebte Bildungsformat im Sinne des Wissenstransfers miteinander zu verbinden. Inhaltlich ging es um die künstlerische Freiheit und ihre Grenzen in der Frühen Neuzeit. Der Podcast besteht aus acht Folgen, die jeweils eine künstlerische Persönlichkeit und ein Vergehen vorstellen, und wurde auf dem von der Gerda-Henkel-Stiftung betriebenen Wissenschaftsportal L.I.S.A. veröffentlicht.
Wie sind Sie auf die Idee zu dem Projekt gekommen?
Die Idee, einen wissenschaftlich fundierten und gleichzeitig über ein Fachpublikum hinaus zugänglichen Podcast zu produzieren, der die Inhalte meiner Forschungsfragen und -themen vermittelt, reizte mich seit längerem. Ich höre selbst sehr gerne Audioformate, im Prinzip seit ich denken kann, und bin von deren Potential im Bereich des Wissenstransfers überzeugt. Dieser funktioniert insbesondere dann gut, wenn Komplexität zugelassen und ausreichend Zeit eingeräumt wird, um ein Argument zu entwickeln. Erfreulicherweise hat sich mit den Podcasts in den letzten Jahren ein ganzes Feld für anspruchsvolle Wissenschaftskommunikation etabliert, entgegen einem seinerzeit gängigen journalistischen Credo übrigens, das von immer kürzeren Aufmerksamkeitsspannen und der Notwendigkeit starker Vereinfachung ausging. Und das aus meiner Sicht Beste daran ist, dass das Format gerade bei jungen Menschen beliebt ist! Es war so gesehen ein Glückfall, dass sich mir an der UHH die Möglichkeit geboten hat, die Podcast-Idee als Lehrprojekt zu realisieren, mit Studierenden, die in dem Format praktisch „zu Hause“ sind. Sie waren mit Leidenschaft, Kreativität und großem Engagement bei der Sache und haben viele eigene Impulse gesetzt: von Hörspielelementen über die graphische Gestaltung der „Verpackung“ bis hin zu einem Teaser.
Welchen Herausforderungen sind Sie bei der Erstellung der Podcast-Folgen begegnet?
Kurz gesagt: sehr vielen! Vorbereitung und Durchführung eines solchen Lehrprojektes sind außerordentlich aufwendig, und es ist leicht, den Aufwand zu unterschätzen, den die Erarbeitung und Produktion eines qualitativ hochwertigen Wissenspodcasts erfordert. Mir war z.B. daran gelegen, den Studierenden die benötigten Kompetenzen mit zu vermitteln. Dafür erfuhr ich auf Anfrage große Unterstützung, sowohl universitätsintern im Schreibzentrum und Medienzentrum der Fachbereiche Sprache, Literatur, Medien I+II, als auch extern durch wissenschaftsjournalistische Beratung und Workshops.
Die eigentliche Erstellung eines Podcasts in der Lehre besteht aus verschiedenen Elementen. Die wichtigsten sind erstens das Erarbeiten der wissenschaftlichen Inhalte, in diesem Fall im Rahmen eines Hauptseminars. Zweitens das Überführen der in Hausarbeiten vorliegenden Inhalte in Audio-Skripte, die als zu veröffentlichende Texte naturgemäß anderen Kriterien unterliegen, etwa bei einem fachfremdem Publikum Interesse zu wecken und zugleich bis ins Detail wissenschaftlich tragfähig zu sein. Und schließlich drittens das Einsprechen der Skripte. Auch hier gilt: es muss mit Blick auf Tempo, Melodie etc. ansprechend sein und gleichzeitig bis ins Detail korrekt, etwa bei der Aussprache von Namen und Fremdwörtern. Darauf folgt die Bearbeitung der Aufnahmen, die wiederum die Kenntnis der entsprechenden Software voraussetzt.
Hinzu kamen in unserem Fall Zusatzelemente wie Interviews mit Expert:innen zum jeweiligen Folgenthema, von Muttersprachlern eingesprochene Originalzitate und ausführliche Shownotes. Das erforderte viele zusätzliche Einzelschritte: passende Personen für das Projekt begeistern; Fragen abstimmen; die Interviews in die Folgen einpassen oder für die Shownotes eben aussagekräftige Kurztexte für die Abstracts, Kurzbiographien verfassen etc. Und natürlich bedurfte es eines Titels, eines Covers, eines Jingles und eines Ortes, an dem der Podcast erscheint. All das zu koordinieren, zu moderieren, individuell wissenschaftlich zu begleiten sowie redaktionell zu betreuen, sprengt schnell den Rahmen einer zweisemestrigen Lehrveranstaltung. Daher lautet eine Erkenntnis für mich auch, dass ein solches Projekt realistischerweise über einen Zeitraum von drei Semestern angelegt sein sollte, und eine weitere, dass im Hinblick auf die Umsetzbarkeit weniger mehr ist.
Wie hat Ihnen der Förderfonds geholfen?
Zunächst möchte ich mich an dieser Stelle nochmals herzlich für die Unterstützung der Simon-Claussen-Stiftung bedanken. Die Fördermittel haben es mir ermöglicht, Workshops bei einer Wissenschaftspodcasterin und Journalistin zu buchen, in denen den Studierenden Einblicke in das journalistische Handwerkszeug des Podcastens und das Führen von Interviews vermittelt wurden und sie ein Sprechtraining erhielten.
Haben Sie schon Feedback zum Podcast bekommen, haben sich vielleicht interessante Gespräche dazu ergeben?
Der Podcast ist für junge Erwachsene konzipiert, die sich für Kunst und Geschichte interessieren, möchte darüber hinaus aber auch alle anderen thematisch Interessierten ansprechen. Das Feedback fiel bis dato erfreulicherweise sehr positiv aus, sowohl im Umfeld der Studierenden als auch meinem eigenen. Unlängst hat sich auf einer Konferenz sogar eine Kollegin, die ich noch nicht kannte, als Fan von „Zwischen Pinsel und Pranger“ vorgestellt – sie hatte zu meiner Verblüffung alle Folgen gehört! Tatsächlich läuft der Podcast auf L.I.S.A. überraschend gut: aktuell haben die einzelnen Folgen schon zwischen 2500 und 1000 Klicks erreicht. Deshalb hat die Redaktion mit dem Erscheinen der letzten Folge Ende Dezember 2025 beschlossen, ihn in eine L.I.S.A.-Podcastreihe zu überführen und auf Spotify zu doppeln. Das ist für uns natürlich eine Auszeichnung! Darüber hinaus sind wir in Kürze auch auf anderen Wissenschaftspodcast-Plattformen zu finden.
Weitere Informationen zum Projekt
- Zur Webseite vom Podcast "Zwischen Pinsel und Pranger"
Förderfonds Wissenschaftskommunikation
Sie haben eine gute Idee, aber die finanziellen Mittel fehlen für die Umsetzung? Die Hamburg Research Academy fördert gemeinsam mit der Claussen-Simon-Stiftung Projekte des wissenschaftlichen Nachwuchses aus dem Bereich Wissenschaftskommunikation.


