Fokussiert forschen – Was macht die Promotion an einer außeruniversitären Forschungseinrichtung besonders?
23. März 2026

Foto: Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut/Christiane Matzen / Privat
In Deutschland kann man neben Universitäten und Hochschulen auch an zahlreichen außeruniversitären Forschungseinrichtungen an einer Promotion arbeiten. In der Regel besitzen sie aber kein Promotionsrecht. Das heißt, ihre Promovierenden müssen zusätzlich an einer Universität die Zulassung zur Promotion beantragen. Wir haben mit zwei Promovierenden aus verschiedenen mit der HRA assoziierten außeruniversitären Forschungseinrichtungen über die Besonderheiten einer Promotion an ihren Instituten gesprochen.
Verena Albert promoviert am Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut in der Kommunikationswissenschaft. Michel-Ruben Glagowski promoviert im Bereich Wirts-Parasiten-Interaktion am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.
Welche Vorteile hat die Promotion an einer außeruniversitären Einrichtung für euch?
Verena: Für mich ist es sehr wertvoll, sich mit so vielen Personen austauschen und arbeiten zu können – wir sind über 40 Forschende und um die 15 Promovierende am Institut für Medienforschung und haben einen sehr regelmäßigen Austausch. Wir helfen uns nicht nur inhaltlich, sondern auch darüber hinaus bei allen möglichen Herausforderungen in der Promotion. Weil die Lehre kein notwendiger Teil unserer Arbeit ist, können wir uns komplett auf unsere Forschung konzentrieren.
Michel: Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen haben aus meiner Sicht oft einen exzellenten Ruf. Da die Arbeit stärker auf die Forschung ausgerichtet ist, steht mehr Zeit für das eigene Projekt zur Verfügung. Das Institut ist thematisch auf ein spezielles Forschungsfeld fokussiert, was führende Expert:innen anzieht. In diesem anspruchsvollen, spezialisierten Umfeld schätze ich die vielfältigen Kollaborationsmöglichkeiten – auch international, weil meine Doktormutter großen Wert auf Konferenzbesuche und wissenschaftlichen Austausch legt und mich dabei unterstützt. Nach meiner Promotion sehe ich zudem breit gefächerte Karrieremöglichkeiten, was ein Vorteil im derzeit eher angespannten Arbeitsmarkt sein kann.
Seht ihr besondere Herausforderungen bei der Promotion in einer außeruniversitären Einrichtung?
Verena: Eine Herausforderung kann es sein, passende Prüfer:innen für die Promotion zu finden. Vor allem, wenn man nicht an der Universität studiert hat, an der man promoviert, kennt man die Professor:innen nicht (und andersherum). Hilfreich sind hier zum Beispiel gemeinsame Seminare im Kontext von Promotionsstudiengängen.
Außerdem kann es nach der Promotion ohne Lehrerfahrung schwieriger sein, an eine Universität zu wechseln. Wer sich diese Option offenhalten möchte, sollte in Eigeninitiative an anderen Einrichtungen wie der Universität oder privaten Hochschulen Lehrtätigkeiten anbieten.
Was würdet ihr jemandem raten, der eine Promotion in einer außeruniversitären Forschungseinrichtung in Erwägung zieht?
Verena: Die Möglichkeiten des Austauschs an einem Institut sind mannigfaltig – es ist jedoch wichtig, die eigene Promotion nicht aus den Augen zu verlieren.
Michel: Stell sicher, dass du wissenschaftlich eigenständig arbeiten kannst, da häufig früh verwertbare Ergebnisse erwartet werden. Das erleichtert es auch, für das eigene Projekt Verantwortung zu übernehmen. Man sollte sich außerdem frühzeitig über formale Anforderungen und Fristen für die Promotion an der zuständigen Universität informieren.


